EINDRUCKSVOLLE FÜHRUNG IM STASIGEFÄNGNIS HOHENSCHÖNHAUSEN

Einladungsreise des FDP-Wahlkreisabgeordneten Ernst Burgbacher

(Josef Rack)  Berlin ist eine Reise wert – davon konnten sich die Teilnehmer der politischen Bildungsreise aus dem Wahlkreis Rottweil-Tuttlingen überzeugen.

gruppenfoto_burgbacher_ernst_640 Erinnerungsfoto der Berlinfahrer vor den 360 Spiegel die das Tageslicht in den Plenarsaal lenken (Foto: Rack)

Das Berliner Büro des FDP-Bundestagsabgeordneten hatte die Fahrt  zusammen mit dem FDP-Kreisvorsitzenden Hans-Peter Bensch bestens organisiert. Nach einem Empfang in der Landesvertretung, bei dem die Gäste Neues übers „Musterländle“ erfuhren, war der Besuch des Reichstags am nächsten Morgen einer der Höhepunkte in der Bundeshauptstadt.  Detaillierte Informationen zur Geschichte des  Parlamentsgebäudes und der Blick aus der Kuppel über Berlin fanden viel Gefallen. Jan Fistek, vom Büro Burgbacher, vertrat seinen Chef, der zu Wirtschaftsgesprächen in Tunesien war und erläuterte gekonnt und überzeugend die aufreibende  Arbeit des Abgeordneten und Staatssekretärs Burgbacher.

 

„Die DDR war ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten – bespitzelt, verurteilt und eingesperrt zu werden“, so begann Gilbert Furian seine Führung im Stasigefängnis Hohenschönhausen. Zwanzig Jahre lang in der Operativen Personenkontrolle (OPK) „nur“ beobachtet, wurde er 1985 verhaftet. Furian hatte eine umfangreiche Untersuchung zu Punks in der DDR gemacht – die es offiziell gar nicht gab – und wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, weil er versucht hatte ein Exemplar in den Westen bringen zu lassen. Ab 1989 sammelte er Berichte von Menschen, die in der DDR aus politischen Gründen inhaftiert waren. Und er befragte regimetreue, die zuvor Jagd auf Andersdenke gemacht hatten: Darunter Richter, Staatsanwälte (z.B. Lothar de Mäziere) und MfS-Ermittler, darunter „sein“ Stasi-Offizier. Die Führung durch das Stasigefängnis verbunden mit den persönlichen Erlebnissen beeindruckte und schockierte die Teilnehmer gleichermaßen. Dieser Blick auf beide Seiten einer Barrikade offenbarte geistige Entmündigung und politische Heuchelei, aber auch immer wieder die Courage, sich damit nicht abzufinden. Beeindruckend auch, dass Furian offensichtlich diese grauenvollen Erlebnisse verarbeitet hat. Sein Schreiben und ein fester Glaube  – seine Frau ist Pfarrerin – haben dies ermöglicht.

Höchst lebendig war die Führung im Bundeswirtschaftsministerium durch Helmut Günther, der mit seiner „Berliner Schnauze“ immer wieder ein Schmunzeln bei den Zuhörern hervorlockte.

Der Abend bot  für die Politikinteressierten aus den Kreisen Rottweil und Tuttlingen Gelegenheit, Berlin individuell zu erkunden: Revue, Theater, Musical, Kabarett oder einfach  „Berliner Luft“  schnuppern.