Karrais: „Glasfaser ist genauso wichtig, wie Straßen und Schienen“ / Aden: „Dürfen uns nicht auf Vectoring ausruhen“

 

Die Freien Demokraten im Kreis Rottweil haben sich mit der Zukunft der Breitbandinfrastruktur im Kreis beschäftigt. Nach einem Vortrag des Stellvertretenden Kreisvorsitzenden Daniel Karrais beriet und verabschiedete die Kreis-FDP einen Antrag mit dem Titel „Landkreis Rottweil 4.0 – Schnelles Internet als Zukunftssicherung“. Darin kritisiert die FDP unter anderem den geförderten Vectoring-Ausbau als zu kurz gegriffen und fordert eine zügige Planung und Investition von Netzen mit Glasfaser bis in die Gebäude.

„Vectoring bringt wenigstens ein bisschen Breitband in die Haushalte, aber eigentlich ist das schon heute zu langsam,“ fasst Karrais, der in der Telekommunikationsbranche tätig ist, den Status Quo zusammen. „Schon für 2025 wird prognostiziert, dass etwa 75 % der Internetnutzer einen Bedarf nach Geschwindigkeiten von mindestens 500 Mbit/s haben werden,“ zitiert Karrais eine Studie des Münchner Instituts für Infrastrukturökonomie und Management (IEM). Das könne Vectoring, das in der sogenannten letzten Meile auf alte Kupferleitungen setze, rein physikalisch bei weitem nicht erreichen, erklärt Karrais in seinem Vortrag zu den Internettechnologien. Die übertragbaren Datenraten nähmen bei Kupfer mit der Entfernung vom Verteilerkasten rapide ab. So sei Glasfaser bis ins Haus die einzige Möglichkeit zuverlässige und zukunftsfähige Gigabitzugänge bereitzustellen.

Karrais hob in seinem Vortrag die Wichtigkeit einer schnellen digitalen Infrastruktur hervor. „Glasfaseranschlüsse sind so wichtig wie Schiene und Straße bei der Standortwahl für Unternehmen“, sagt der FDP-Mann dazu. „Es gibt jede Menge Beispiele von Unternehmen, die ihren Standort hin zur besseren Internetverfügbarkeit verlagern. Wenn also die anderen Faktoren, wie die Verkehrsanbindung, gleich sind, ist Internet der entscheidende oder gar wichtigere Faktor,“ berichtet er aus der Praxis. Es sei daher zwingend für den Kreis Rottweil in Glasfasernetze bis ins Haus zu investieren, da Glasfaser die einzige Technologie sei, die für alle Herausforderungen der Zukunft gewappnet sei. Dies betreffe auch den Ausbau der Mobilfunknetze zum Standard 5G, der eine flächendeckende Glasfaseranbindung voraussetze. Ohne den 5G-Standard, der in Finnland bereits erprobt wird, blieben Pläne wie vernetztes und autonomes Fahren nur Träume.

„Ich sehe die Entscheidung des Kreistags für den Vectoring-Ausbau mittlerweile auch kritisch“, berichtete der Landtagsabgeordnete und langjährige Kreisrat Gerhard Aden den Anwesenden. Dennoch sei der Ausbau für weniger als 12 Millionen Euro zu haben gewesen und sehr schnell in der Umsetzung. “Aber wir dürfen uns nicht darauf ausruhen, denn die anderen Kreise schlafen nicht und Unternehmer berichten mir, dass sie jetzt schon Gigabitanschlüsse brauchen,“ begründet Aden seine Skepsis gegenüber der getroffenen Entscheidung. Rottweil sei einer von nur drei Landkreisen in Baden-Württemberg, die in Vectoring investierten. Alle anderen Kreise seien dabei den flächendeckenden Glasfaserausbau vorzubereiten oder schon umzusetzen, wie beispielsweise der benachbarte Schwarzwald-Baar-Kreis. Deshalb habe Aden bereits vor einigen Monaten im Kreistag angefragt, wie es weitergehen solle. „Ich stehe daher voll hinter der Forderung nach einem Glasfaserausbau bis in alle Gebäude im Kreis Rottweil“, macht Aden klar.

Nach dem Informationsteil und einer Diskussion beschlossen die Freien Demokraten einstimmig den Antrag des Kreisvorstands. In dem dreiseitigen Papier fordert die Kreis-FDP ihre Kreistagsfraktion dazu auf sich im Kreistag dafür stark zu machen, dass die Kreisverwaltung Möglichkeiten zum Glasfaserausbau aufzeige und Kosten nenne. Darüber hinaus solle die Fraktion bei den anderen Kreisräten für die Wichtigkeit des Themas werben und nur noch auf Förderungen für Glasfaserinfrastrukturen bis ins Haus setzen. Priorität sollen dabei die Gewerbegebiete haben, da dort die Bandbreite zuerst gebraucht werde.

In der Partei auf Landes- und Bundesebene wollen sich die Rottweiler FDPler ebenfalls für den flächendeckenden Glasfaserausbau einsetzen. Diesen Impuls konnten die am Rande der inhaltlichen Beratungen gewählten Delegierten gleich mitnehmen. Auf dem Landesparteitag wird die Rottweiler FDP künftig vertreten von: Gerhard Aden, Daniel Karrais, Josef Rack, Dieter Kleinmann und Volker Trudel. Zum kleineren Landeshauptausschuss werden Daniel Karrais und Gerhard Aden entsendet.

Antrag-Breitbandausbau (pdf)